Neurotransmitter – Die Botenstoffe unseres Körpers

Neurotransmitter lösen – ähnlich wie Hormone – Signale in unserem System aus. Die Übertragung basiert auf elektrischen Impulsen. Diese steuern letztlich direkt oder indirekt unsere Laune, das Wohlbefinden und unsere Gefühle, die Leistungsfähigkeit, unsere Motivation und die Regeneration. So haben sie einen großen Einfluss auf unsere Stoffwechselvorgängen und das Nervensystem, was letztlich relevant für unsere Gesundheit ist.


Welche Neurotransmitter gibt es
und wie werden sie gebildet?

Da es über 60 verschiedene Neurotransmitter gibt, und viele von ihnen auch als Hormone aktiv sind, werden hier lediglich vier von ihnen thematisiert. Dabei stehen die Botenstoffe im Vordergrund, mit denen man einen Praxisbezug dazu vermitteln kann, wie wir ihre Aktivität durch unseren Lifestyle beeinflussen können.        

  • Dopamin wird aus den Aminosäuren Phenylalanin und Tyrosin gebildet. Auch Vitamin C, Kupfer und Eisen spielen eine Rolle im Dopaminstoffwechsel3. Es fördert die Durchblutung und steigert die Motivation, den inneren Antrieb, Emotion, das Lernen und die Merkfähigkeit. Auch mit der Bewegungssteuerung gibt es hier einen Zusammenhang. Dopamin ist somit einer der Stoffe, die Glücksgefühle begünstigen und unsere Leistungsfähigkeit optimieren1. Es ist also nicht überraschend, dass ein Dopaminmangel oft Depressionen verursacht und uns träge und antriebslos macht4.            
  • Acetylcholin ist ein weiterer Konzentrationsförderer. Er wird über einen zusätzlichen Umwandlungsschritt aus den Aminosäuren Glycin und Serin gebildet. Acetylcholin fördert kognitive Prozesse und ist wichtig für Lernprozesse. Damit unser Gehirn richtig leistungsfähig ist, wird dieser Botenstoff benötigt. Alzheimerpatienten haben einen Mangel an ihm, was ein Faktor für deren Vergesslichkeit ist1.      
  • Serotonin wird aus der Aminosäure Tryptophan synthetisiert. Wie Dopamin ist Serotonin einer der Glücksgefühlträger. Anders jedoch ist hier, dass es uns eher in Regenerationsphasen unterstützt. So sorgt eine Serotoninausschüttung für Gelassenheit, innere Ruhe, Zufriedenheit und Entspannung. Der Botenstoff kann aber noch viel mehr: Das Essverhalten, Schmerzempfindung und Hormonausschüttungen werden von ihm reguliert. Beispielsweise begünstigt Serotonin die Ausschüttung von Melatonin, unserem Schlafhormon. Demnach ist es ein Schlafförderer und kann außerdem Aggression, Angst und Depression mildern1.   
    Ein Serotoninmangel kann dadurch zu Schlafstörungen, Depressionen, Neurosen, Erschöpfung und Ängsten führen3.           
  • GABA (Gamma Aminobuttersäure) ist der wichtigste Neurotransmitter mit hemmender Wirkung im ZNS. Gebildet wird GABA aus der Aminosäure Glutamin. Beim Fötus im Mutterleib hat dieser Botenstoff außerdem eine wichtige Rolle für die Etablierung von Nervenverbindungen. GABA hemmt in der Bauchspeicheldrüse die Sekretion von Hormonen, beispielsweise von Glukagon. Glukagon ist ein Gegenspieler von Insulin und sorgt dafür, dass aus den Zellen Zucker ins Blut transportiert wird, damit genügend Zucker in den Blutbahnen bleibt1. Gamma Aminobuttersäure hemmt vor allem Hormone und Signale, die unseren Körper in einen Stresszustand versetzen. Letztlich ist sie also entscheidend für Regeneration und Entspannung3. Nervöse Menschen, die oft auch abends nicht zur Ruhe kommen, können einen Mangel an GABA haben.        

Aus diesen vier Beispielen wird leicht ersichtlich, dass Ausschüttung der Botenstoffe zwar aus biochemischer Perspektive abstrakt werden kann, aber man trotzdem leicht Schlüsse mit Praxisnähe ziehen kann. So ist es offensichtlich, dass die Neurotransmitter im richtigen Zeitpunkt und in der passenden Dosierung ihre Signale weitergeben müssen. Dies ist ein Balanceakt für den Organismus. Der Körper muss dafür beispielsweise die richtigen Nährstoffe zur Verfügung haben. Im letzten Teil dieses Artikels wird genauer auf diesen Punkt eingegangen.    

Was genau sind Neurotransmitter?     

Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, die elektrische Reize von einer Nervenzelle zur anderen oder den übrigen Zellen übertragen. Oft geht es dabei um Reflexe und schnelle Reaktionen. Sie können bereits erzeugte Reize auch verstärken oder verändern1. Es gibt zahlreiche dieser Stoffe, alle mit verschiedenen Wirkungen. Die Thematik ist sehr komplex, so dass einige Neurotransmitter nicht unbedingt immer dieselbe Wirkung erzeugen. Je nach Kombination und abhängig davon, wo die Übertragung stattfindet, kann der Effekt variieren.    
Außerdem können die biochemischen Verbindungen verschiedene Mechanismen haben, manche hemmen Prozesse und manche fördern sie.

Viele Neurotransmitter sind auch als Hormone aktiv. Sie führen sozusagen ein Doppelleben. Es gibt jedoch entscheidende Unterschiede, die man zwischen den beiden Signalträgern macht: Wie bereits erklärt, geben Neurotransmitter Signale ab, die unmittelbare Reflexe und Reaktionen hervorrufen, Hormone geben oft die Antwort auf diese Reize. Wenn wir uns zum Beispiel erschrecken, wird oft der Fluchtreflex ausgelöst, das Signal wird dafür durch Noradrenalin übertragen. Die hormonelle Antwort darauf wäre dann unter anderem, dass der Blutzucker in die Höhe schießt, um unseren Körper schnell mit genügend Energie zu versorgen. Das Signal für den Transport von Zucker aus der Zelle in die Blutbahn wird von Hormonen gesteuert1. Mehr Informationen zum Thema Blutzucker und dessen Hormonprozesse folgen im nächsten Artikel.             

Unser Nervensystem   

Das zentrale Nervensystem, abgekürzt ZNS, besteht aus dem Gehirn und dem Rückenmark. Es wird dem peripheren Nervensystem, kurz PNS, gegenübergestellt, welches die Nerven umfasst, welche das ZNS mit den Organen verbindet. Das Gehirn ist dabei das übergeordnete Zentrum für das gesamte Nervensystem2.

In der Biologie und Medizin unterscheidet man außerdem zwischen dem unwillkürlichen und willkürlichen Nervensystem. Willkürliche Aktivitäten, deren Reizübertragung wir bewusst steuern können, sind beispielsweise Bewegungen der Skelettmuskulatur oder auch Bewegungen unserer Sinnesorgane. Beispielsweise, wie wir steuern, wo wir mit den Augen hinsehen. Unwillkürlich steuert unser Nervensystem gemeinsam mit dem Hormonsystem die Aktivitäten der inneren Organe. Dadurch befinden wir uns beim Thema Neurotransmitter im unwillkürlich gesteuerten Nervensystem2.    

Wie werden Neurotransmitter gebildet?

Neurotransmitter werden vor allem aus Aminosäuren gebildet. Das sind die kleinen Bestandteile von Proteinen. Proteine werden also aus Ketten von Aminosäuren gebildet und umgekehrt aufgespaltet, weil sie in unserem Stoffwechsel unzählige Funktionen haben. Dies ist an dieser Stelle relevant, denn man kann daraus schließen, dass unser Körper die richtigen Bausteine aus Proteinen zur Verfügung haben muss, um daraus die Botenstoffe bilden zu können3.           

Die Balance der Neurotransmitter und unseres Nervensystems ist wichtig

Wie es bereits weiter oben beschrieben wurde, können verschiedene Botenstoffe hemmende und anregende Wirkungen für unzählige Prozesse, Emotionen und Vorgänge in unserem Körper haben.
Möchte man das Ganze noch etwas globaler betrachten, so kann man hier – wie auch beim Thema Immunsystem die beiden Gegenspieler des Nervensystems nennen: Den Sympathikus und Parasympathikus. Der Sympathikus vermittelt leistungsfördernde Wirkungen und sein Gegenüber erholungsfördernde2. Dopamin und Acetylcholin sind Signale des Sympathikus, Serotonin und GABA sind dem Parasympathikus treu. Es ist also wichtig, dass beide Systeme in Balance sind und der Körper zwischen den Zuständen rotiert. So kann er Leistung erbringen, aktiv sein und aber auch regenerierende Phasen durchleben, die wichtig für unsere Gesundheit sind.          

Wie kann man seine Neurotransmitterausschüttung optimieren und das System im Gleichgewicht halten?

Zumindest ein Teil der Botenstoffausschüttungen kann durch die passende Ernährungsweise beeinflusst werden. Somacht es Sinn, morgens Protein zu konsumieren, dass die Aminosäuren enthält, welche Dopamin und Acetylcholin fördern, damit man leistungsfähig und motiviert in den Tag startet. Rotes Fleisch und Nüsse sind hier eine gute Wahl. Mehr dazu im Artikel. Abends oder an ruhigen Tagen, wenn der Körper in den Sympathikus Zustand wechseln soll, sind Lebensmittel von Vorteil, die die Produktion von GABA und Serotonin antreiben. Kohlenhydrate sorgen beispielsweise durch den darauffolgenden Insulinanstieg dafür, dass Serotonin ausgeschüttet wird, was zu Entspannung und Wohlbefinden führt. Dies wird dann letztlich einen positiven Effekt auf den Schlaf haben. Selbstverständlich ist der Umgang mit Stressoren auch wichtig, denn Neurotransmitter können zwar Emotionen begünstigen, umgekehrt können Emotionen aber auch die Ausschüttung von Botenstoffen fördern. Ein ausgeglichenes Mindset ist also neben einem gesundheitsfördernden Lifestyle von großer Bedeutung.  

 

1 Doccheck Flexikon: Neurotransmitter. [https://flexikon.doccheck.com/de/Neurotransmitter; 24.04.2020].

2 Bütikofer, Markus; Hopf, Zensi; Rutz, Guido; Stach, Silke und Grigoleit, Andrea (2015): Humanbiologie 2: Nerven, Sinne, Hormone, Fortpflanzung und Bewegung. S. 11-60.

3 Psyche &Orthomolekulare Medizin: Neurotransmitter – Allgemeines über Neurotransmitter
[https://www.angst-depressionen.com/neurotransmitter; 26.04.2020].

4 Netdoktor: Dopaminmangel [https://www.netdoktor.de/laborwerte/dopamin/dopaminmangel; 24.04.2020].

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