Supz meets: Traditionelle Chinesische Medizin

Nadine unterstützte uns tatkräftig mit ihrem Fachwissen bei der Entwicklung unseres neusten Produktes – dem Brain Supreme. Ich spreche mit ihr über ihre Sichtweise der Gesundheit, die Besonderheiten der chinesischen Kräuter, warum Kakerlaken in manchen Fällen in den Tee gehören und Teekreationen, die zum Wetter des jeweiligen Tages passen.

Johanna: Nadine, wie würdest du Dich und deine Arbeit beschreiben und was ist deine ganz eigene Intention, warum Du dich für diesen Weg entschieden hast?
Nadine: Zu mir: ich bin Heilpraktikerin, wobei ich mich selbst wahrscheinlich eher als Ärztin für chinesische Medizin beschreiben würde, da ich mich damit glaube ich besser identifizieren kann. Der Schwerpunkt meiner Arbeit ist im Prinzip die chinesische Phytotherapie, also die chinesische Pharmazie. Das ist eine der der vier Teilbereiche, der zur chinesischen Medizin dazugehört. Die anderen sind zum Beispiel die gängige Akkupunktur oder die Tuina Massage.

Zu meinem Heilpraktiker bin ich gekommen, da ich nach dem Abitur zwischen Medizin und Psychologie geschwankt habe und mich selbst nicht richtig in der Medizin finden konnte. Ich wusste, dass ich Leute gesundmachen und heilen möchte, aber wusste gleichzeitig auch, dass ich zum Beispiel nicht als Chirurgin geeignet bin oder mich nicht als Hausärztin sehe. So habe ich mich dann in der chinesischen Medizin wiedergefunden, da sie ein Zwischenbereich zwischen dem ganz Alternativen und der Allgemeinmedizin ist. Es ist sehr stofflich. Es sind intensive, erdige Wirkstoffe, die der Körper direkt wahrnimmt. Bei der TCM habe ich auch keine „Erstverschlimmerung“, die ich zum Teil bei homöopathischen Mitteln habe. Ich gebe meinen Patienten die pflanzlichen Wirkstoffe und sehe sofort Resultate – das alles auch ohne Nebenwirkungen. Das hat mich extrem an dieser Art der Medizin begeistert, ebenfalls wie die Einstellung der Chinesen zur Gesundheit: nicht zwingend erst dann zum Arzt zu gehen, wenn schon alles zu spät ist, sondern dass man frühzeitig die Zeichen des Körpers erkennt und präventiv handelt.

Johanna: Gibt es etwas, das Du mit deiner Art zu praktizieren und deiner Art der Heilkunde erreichen möchtest? Was ist sozusagen dein persönliches Ziel, wenn ein Patient mit seinem Anliegen zu dir kommt?
Nadine: Die Frage hat für mich zwei Richtungen: zum einen möchte ich etwas beim Patienten selber erreichen und zum anderen, sage ich mal, etwas die Weltanschauung der Menschen betreffend. Für den Patienten an sich ist es für mich natürlich wichtig, dass ich auf die individuelle Lebensführung eingehe und den Menschen, sein Umfeld sowie alles Zugehörige als ein Ganzes sehe. Ich schaue, ob zum Beispiel Arbeitsumstände oder familiäre Umstände da sind, die das Ganze erschweren. Dabei wäge ich immer ab zwischen der Unterstützung, die ich ihm trotz seiner Lebensumstände gewährleisten kann auf der einen Seite und auf der anderen, versuche ich den Menschen auch soweit zu beraten, dass er vielleicht aus schwierigen Situationen eine eigene Lösung findet. Das betrifft das normale Leben genauso wie die Ernährung, Bewegung, Sport und auch emotionale Ausgleiche. Eine Beratung in all diesen Dingen gehört für mich immer dazu. Ganz wichtig ist mir auch eine Verbindung zur Natur zu schaffen. Zum Beispiel sage ich Patienten, die dafür offen sind, was sie zurzeit gerade regional sammeln oder im Garten anpflanzen können, um sich zusätzlich etwas Gutes zu tun. Für mich gehört in diesem Beruf immer mehr dazu, als „nur die Praxis“. Also auch, dass man dem Menschen das Gefühl nahebringt, wie gehe ich mit mir selber um, wie gehe ich mit der Natur um und wie gehe ich mit der Welt an sich um. 

Johanna: Diese ganzheitliche Philosophie ist für uns als Firma ja auch von großer Bedeutung; häufig sprechen wir von „optimaler Performance“. Das bedeutet für uns den Körper zu seiner bestmöglichen individuellen Leistungsfähigkeit zu bringen und einen optimalen Biorhythmus zu haben. Gibt es in Deinen Augen etwas, was uns dabei hilft unseren eigenen optimalen Biorhythmus zu finden? Also was braucht es in Deinen Augen dafür, dass man seine optimale Performance erreichen kann?
Nadine: Für mich gehören sehr viele Sachen dazu. In der chinesischen Medizin – und genau das unterscheidet sie meiner Meinung nach auch von den anderen Ansätzen – sehe ich über die Pulsanamnese, was fehlt welchem Menschen individuell. Man kann nicht global sagen: Das tut allen gut. Sondern jedem fehlt etwas Anderes. Wenn ich es allgemein betrachte, wäre es für mich die Sache, dass ich immer wieder versuche mit mir selbst und in meinem Inneren „aufzuräumen“. Das kann sowohl sehr spirituell als auch sehr pragmatisch sein. Manchmal reicht aus, dass ich ab und zu so eine Art Cleansing mache und einfach mal zu Hause ausmiste. Ab und zu ist aber auch mal notwendig, das eigene Leben auszumisten: Wie sieht es bei mir gerade wirklich aus? Wie sieht es aus mit meinen Freundschaften, der Familie usw.? Ich meine damit, dass man einfach versucht, ab und zu in sich hinein zu horchen. Für den Parasympatikus ist genau das auch besonders wichtig: bewusste Ruhe zu suchen und nicht nur im Alltag zu funktionieren. Genau das ist aber leider das, was den meisten tatsächlich am Schwersten fällt – in den Alltag bewusste, achtsame Pausen zu integrieren und mal einen Gang runter zu schalten. 

Johanna: Du arbeitest sehr viel im Bereich der Gynäkologie und mit Frauen. Welche Beschwerden lassen sich mit Kräutern grundsätzlich behandeln?
Nadine: Im Gegensatz zur Akkupunktur ist die Kräutermedizin leider immer noch nicht so richtig wahrgenommen und viele denken plump gesagt an „Teetrinken“. Dem begegne ich oft in der Praxis. Aber Kräuter an sich – und an dieser Stelle möchte ich nochmal zu den chinesischen Kräutern überleiten, da hier wirklich ein großer Unterschied zu den westlichen Kräutern liegt – die haben eine unglaubliche, medizinische Effektivität. Ich glaube es war vor zwei Jahren, als der Medizinnobelpreis an eine Chinesin in der Forschung für Chinesische Kräuter im Bereich der Vogelgrippe ging. Hier sieht man nochmal, welche große medizinische Anwendungsbreite sie umfassen und ich kann eigentlich jede Form von Krankheiten oder Beschwerden damit behandeln, verbessern oder sogar heilen. Ausnahme ist lediglich, wenn wirklich ein chirurgischer Eingriff notwendig ist. 

Johanna: Es spielt ja auch eine große Rolle woher ich meine Kräuter beziehe. Wo kann ich gute chinesische Kräuter erwerben, mit denen ich wirklich was Gutes für meine Gesundheit tun kann?Nadine: Ich habe zwar einige chinesische Kräuter in meinem Garten, aber es ist tatsächlich so, dass die Kräuter, die direkt aus Asien kommen die beste Wirkung haben. Sie sind deutlich effektiver, wenn sie direkt aus China kommen. Aufgrund des Klimas, der Bodenbeschaffenheit und allem was dazu gehört. Wenn ich also chinesische Kräuter verwenden möchte, sollte ich diese auch direkt aus dem chinesischen Raum beziehen. Einige Kollegen von mir hatten immer wieder Bedenken geäußert, dass diese sehr belastet sind und in China stark gespritzt wird. Mittlerweile ist das nicht mehr so. Da die TCM viel stärker verbreitet ist sind die chinesischen Kräuter auch viel weniger schadstoffbelastet und in vielen Bereichen wurde komplett auf biologischen Anbau umgestellt. In Deutschland sind die Maßstäbe, wenn die Kräuter zum Beispiel über Apotheken bezogen werden, sehr hoch und man kann davon ausgehen, sehr reine Kräuter zu bekommen. Ich sollte natürlich jetzt nicht meine Ginseng-Wurzel aus dem Asia-Shop von gegenüber holen. (lacht) Die sind natürlich auch lange nicht so effizient. Für den medizinischen Bereich sollte man deshalb auf Apothekerqualität zurückgreifen.

Johanna:  Was ist in deinen Augen der Unterschied zwischen den westlichen und den chinesischen Kräutern im Besonderen in Bezug auf die Effektivität?
Nadine: Es gibt für mich einen Unterschied dahingehend, ob ich die Kräuter wirklich medizinisch einsetzen will oder dafür, meine Gesundheit zu begünstigen. Viele westliche Kräuter aus meinem Garten wie z.B. Ringelblumenblüten, Echinacea, Schafgarbe oder Löwenzahnwurzeln (selbst getrocknet) kann ich im Alltag gut verwenden. Habe ich aber einen Patienten, der völlig ausgebrannt ist - Burn Out, starke Depression – oder eine Patientin mit Endometriose, brauche ich einfach sehr intensive Mittel, die solche Stagnationen aufbrechen können. Wenn totaler Notstand ist und Gesundheitsgefahr besteht, gehört schon mal eine Kakerlake in den Tee hinein. Manche wollen das nicht hören, aber damit kann ich wirklich Leben retten. Das ist dann der Unterschied. Brauche ich von der Intensität wirklich ein chinesisches Medikament oder habe ich „nur“ einen Fall von Magen-Darm.

Johanna: Wie kann ich selbst, ohne Therapeuten, meine Gesundheit durch Kräuter, Wurzeln und Blüten verbessern?
Nadine: Wichtig ist denke ich, dass man im Kleinen anfängt. Zum Beispiel, dass man einen kleinen Garten hat oder auch einen kleinen Balkon, wo man einiges an Wildkräutern anpflanzen kann. Man kann sich auch den nächstgelegenen Wald heraussuchen, wo man einen kleinen Barfuß-Spaziergang macht. Sozusagen muss man erstmal den Bezug bekommen, zu dem was so wächst und um uns herum ist. Es gibt einen Spruch, den ich jetzt nicht wortwörtlich zitieren kann, der aber sagt, dass wir im Prinzip alles vor unserer Tür finden was unser Körper braucht. So ist es häufig auch. Man sollte versuchen, nicht nur auf Superfoods etc. zurückzugreifen, sondern auch die Sachen, die uns um herum wachsen, für unsere Gesundheit zu integrieren.

Johanna: Fällt Dir gerade ein gutes Buch ein über die chinesische Kräutermedizin oder hast du ein ganz klares Lieblingsbuch?
Nadine: Definitiv! Shanghanlun. Das ist DER Urkern der chinesischen Kräutermedizin, also das erste geschriebene und verfasste Buch über die chinesische Kräutermedizin.  

Johanna: Hast du eine Morgenroutine?
Nadine: (lacht) Ich habe zwei Kinder. Meine Morgenroutine bedeutet also auch ziemlich viel Vorbereitung und jetzt keine langen Entspannungsübungen. Vielleicht ist meine Routine, mit meinen Kindern nochmal 5 Minuten zu kuscheln bevor ich sie aus dem Bett schmeißen muss. Dann mache ich uns Frühstück und jeden Tag gibt es bei uns einen Tee, der zum Wetter passt. Ich passe den Morgentee also immer dem Tag an – ob es warm, kalt, nass oder feucht werden soll. Vermutlich ist das meine Morgenroutine.

 

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