Vegan*z oder gar nicht

„Die Vernunft beginnt bereits in der Küche.“ Friedrich Nietzsche (1844-1900, deutscher Philosoph)

Ernährungstrend „Veggie“

Bewusste Ernährung bedeutet nicht nur essen, um satt, sondern auch, um fit, gesund und intelligent zu werden. Bewusste Ernährung fragt aber auch, woher das Essen kommt, ob es aus fairem Handel stammt, ob Menschen oder Tiere dafür leiden mussten. Essen mit Seele und Köpfchen steht auf der Agenda von Vegetariern und Veganern.

Gründe für und gegen Veggie

Der „Veggie“ Lebensstil ist bei den Deutschen weit verbreitet.  Laut Schätzungen ernährten sich  im Jahre 2014 rund 10% vegetarisch und 1-1,5% vegan mit steigender Tendenz (Yougov Studie, 2014). Ethische oder gesundheitliche Gründe bewegen die Deutschen auf vegan oder vegetarisch – kurz „veggie“ – umzusteigen. Eine große Nachfrage an Fleisch und Tierprodukten belaste die Wälder und Böden, denn Massentierhaltung verbrauche große Flächen für die Futterproduktion und schade der Bodenqualität durch übermäßige Abfälle wie Gülle. Außerdem greife übermäßiger Konsum von minderwertigem Fleisch aus Massentierhaltung die Gesundheit an, wo zunehmend Medikamente eingesetzt werden, um Tierkrankheiten und -epidemien zu unterbinden.

Ethisch motivierte Veganer, für die Tierrechte und Tierschutz  zentral sind, vermeiden nicht nur alle Nahrungsmittel tierischen Ursprungs wie Eier, Honig und Milch, sondern auch derartige Kleidung und Gegenstände des Alltags und Produkte auf der Basis von Tierversuchen.

So gut die Argumente gegen tierische Produkte sind, überzeugen doch auch die Gegenargumente: „Vegane Ernährung ist kostspielig und zeitaufwendig, neben meinem Vollzeitjob kann ich das nicht leisten“, „tierische Proteine sind wichtige Eiweißquellen“, „bei einer rein pflanzlichen Ernährung ist eine ausreichende Versorgung mit einigen Nährstoffen nicht oder nur schwer möglich“, lauten die Gegenstimmen.

Eine vegane Ernährung fordert in der Tat Zeit und gute Organisation, da zahlreiche Nährstoffe, die natürlicherweise in tierischen Produkten vorkommen, über pflanzliche Nahrungsmittel oder vegane Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden müssen.  Ein Problem stellt besonders die Aufnahme von Vitamin B12 dar. „Zu den potenziell kritischen Nährstoffen bei veganer Ernährung gehören außerdem Protein bzw. unentbehrliche Aminosäuren und langkettige n3-Fettsäuren sowie weitere Vitamine (Riboflavin, Vitamin D) und Mineralstoffe (Calcium, Eisen, Jod, Zink, Selen).“,Daher wird  „für Schwangere, Stillende, Säuglinge, Kinder und Jugendliche ... eine vegane Ernährung von der DGE nicht empfohlen“. (vgl. DGE, 2016)

Der vegane Held und der Flexitarier

Veganer hören häufig den Vorwurf einer einseitigen und dogmatischen Ernährung. Konsequent und diszipliniert dem veganen Food-Konzept  zu folgen, kostet daher neben Zeit und Geld auch Willensstärke und Standhaftigkeit.

So knickt der ein oder andere Veganer und Vegetarier unter dem gesellschaftlichen Druck ein und lockert seine Vorsätze. Der eine schreibt auch Fisch auf den Speiseplan (ungefähr die Hälfte aller Vegetarier), der andere wird zum Flexitarier (aus den Wörtern flexibel und Vegetarismus) und isst nur ausgewähltes Biofleisch in geringen Mengen. (Vgl. Cordts, Spiller, 2013)

Im Gegensatz zum unbekümmerten Fleischesser,  der im Durchschnitt 32 Kg Schweinefleisch pro Jahr konsumiert, ist der Flexitarier kritisch: dass die Supermarktregale von kostengünstigem Fleisch und Tierprodukten nur so strotzen, macht ihn stutzig. Seine Konsequenz ist gemäßigter Fleischkonsum. Qualitativ hochwertiges Fleisch ist selten, kostet mehr und ist daher ein Luxusgut, das nicht jedermann jeden Tag auf dem Teller haben kann.

Teilzeit-Veggie: Gewusst und bewusst

Sich bewusst zu ernähren heißt, sein Essenskonzept zu überdenken. Nicht nur was auf den Tisch kommt, sondern auch, woher das Essen kommt, interessiert den Menschen, dem seine eigene Gesundheit, aber auch eine gesunde Umwelt am Herzen liegen. Nicht jeder kann es leisten komplett und dauerhaft auf Tierprodukte zu verzichten. Die Perspektive des Veganers vorübergehend einzunehmen, kann jedoch heilsam sein. So können Phasen ohne tierische Produkte wie eine vegetarische Woche oder ein veganes Wochenende helfen, das eigene Konsumverhalten zu prüfen und zu einer flexibleren und bewussteren Haltung zu gelangen.

Quellen

Anette Cordts: Fleischkonsum in Deutschland. Von unbekümmerten Fleischessern, Flexitariern und (Lebensabschnitts-)Vegetariern. Artikel aus der FleischWirtschaft vom 23. Juli 2013: https://www.uni-hohenheim.de/uploads/media/Artikel_FleischWirtschaft_07_2013.pdf

https://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/faqs/ausgewaehlte-fragen-und-antworten-zu-veganer-ernaehrung/#c2933

Position der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) https://www.ernaehrungs-umschau.de/print-artikel/15-04-2016-vegane-ernaehrung/

Plasma concentrations of 25-hydroxyvitamin D in meat eaters, fish eaters, vegetarians and vegans: results from the EPIC-Oxford study.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20854716?dopt=Abstract

https://de.wikipedia.org/wiki/Flexitarismus

https://de.wikipedia.org/wiki/Veganismus

http://www.wiwo.de/technologie/umwelt/fleischproduktion-zehn-fakten-aus-dem-fleischatlas-2014/7609044.html

https://yougov.de/loesungen/reports/studien/vegan-studie/

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